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Zinsen

EZB erhöht die Leitzinsen erneut: Was der Entscheid vom 10. September für die Schweiz bedeutet

Die EZB hebt den Einlagensatz am 10. September 2026 auf 2.50 Prozent an. Warum der Schritt die Märkte kaum überrascht hat und was jetzt für Saron- und Festhypotheken in der Schweiz zählt.

hypothek.ch

11.09.2026

5 min

Die Europäische Zentralbank hebt die Leitzinsen zum zweiten Mal in diesem Zyklus an. Der Einlagensatz steigt auf 2.50 Prozent, und die neuen Projektionen zeigen: Die Inflation bleibt länger über dem Ziel als bisher angenommen. Warum die CHF-Swapkurve rund um den Entscheid binnen zweier Tage um über 10 Basispunkte gestiegen ist und worauf Hypothekarnehmer in den kommenden acht Tagen achten sollten.

Was die EZB im Juli angekündigt hatte, hat sie am Donnerstag geliefert. Der EZB-Rat hat an seiner auswärtigen Sitzung in Berlin beschlossen, die drei Leitzinssätze um jeweils 25 Basispunkte anzuheben. Der Einlagensatz steigt mit Wirkung vom 16. September auf 2.50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2.65 und der Spitzenrefinanzierungssatz auf 2.90 Prozent. Die Begründung bleibt dieselbe wie im Juni: Der Krieg im Nahen Osten erzeugt anhaltenden Inflationsdruck, und die Teuerung dürfte laut EZB für längere Zeit deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent bleiben.

Der angekündigte Schritt ist vollzogen

Als wir im Juli über die Zinspause berichteten, war die Richtung bereits vorgezeichnet: aufgeschoben, nicht aufgehoben. Die Daten seither liessen der Notenbank wenig Wahl. Die Inflation im Euroraum kletterte im August von 2.9 auf 3.3 Prozent, getrieben von Energiepreisen, die im Jahresvergleich um 14.3 Prozent zulegten. Immerhin: Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel sank im August leicht auf 2.4 Prozent. Von breiten Zweitrundeneffekten, vor denen Präsidentin Christine Lagarde im Juli gewarnt hatte, ist bislang wenig zu sehen. Genau das dürfte die Diskussion über die nächsten Schritte prägen.

Neue Projektionen: höhere Inflation, aber auch mehr Wachstum

Mit der September-Sitzung legte die EZB turnusgemäss neue Prognosen vor. Im Basisszenario erwarten ihre Fachleute für 2026 eine durchschnittliche Gesamtinflation von 3.0 Prozent, für 2027 von 2.5 und für 2028 von 2.1 Prozent. Gegenüber Juni wurden die Werte für 2027 und 2028 nach oben revidiert. Die Inflation kehrt also noch später zum Ziel zurück als bisher gedacht. Bemerkenswert ist die zweite Hälfte der Projektionen: Das Wachstum wurde für 2026 auf 0.9 und für 2027 auf 1.4 Prozent angehoben, weil sich die Wirtschaft des Euroraums widerstandsfähiger zeigt als erwartet. Eine Notenbank, die höhere Inflation und robusteres Wachstum zugleich prognostiziert, hat wenig Grund, den Fuss von der Bremse zu nehmen.

Ob sie noch stärker bremsen muss, ist die offene Frage. Mit 2.50 Prozent liegt der Einlagensatz nach Einschätzung vieler Ökonomen am oberen Rand der neutralen Spanne. Jeder weitere Schritt wäre der bewusste Gang in restriktives Terrain, um einen Angebotsschock zu bekämpfen, auf den die Geldpolitik keinen direkten Einfluss hat. Die Märkte preisen dennoch eine weitere Anhebung bis Dezember oder Anfang 2027 ein. Die EZB selbst hält sich alle Optionen offen und entscheidet nach eigenem Bekunden datenabhängig von Sitzung zu Sitzung.

Die Schweiz: Zehn Basispunkte in zwei Tagen

Die CHF-Swapkurve hat den Entscheid nicht abgewartet, sie hat ihn begleitet. Noch am Dienstag notierte der 10-Jahres-CHF-Swap bei knapp 0.69 Prozent. Am Mittwoch, dem ersten Tag der EZB-Sitzung, zog er um gut 6 Basispunkte auf rund 0.74 Prozent an, und am Entscheidungstag selbst folgte der nächste Schub auf knapp 0.80 Prozent: gut 10 Basispunkte binnen zweier Tage, und damit über das Juli-Hoch hinaus. Zur Einordnung: Ende Juni lag der Satz noch bei 0.51 Prozent, kletterte bis zum EZB-Entscheid vom 23. Juli auf 0.77 Prozent und gab über den Sommer bis auf rund 0.62 Prozent nach. Getrieben wurde der jüngste Schub von der Notenbankwoche als Ganzes: vom überraschend starken US-Arbeitsmarktbericht über die daraus abgeleiteten Fed-Erwartungen bis zur EZB-Erhöhung samt nach oben revidierter Inflationsprojektionen. Der Zinsschritt selbst war an den Terminmärkten zwar längst eingepreist, doch die Kombination restriktiver Signale diesseits und jenseits des Atlantiks treibt die Kapitalmarktzinsen weiter nach oben.

Für den Franken bleibt die Konstellation komfortabel. Die Zinsdifferenz zwischen dem EZB-Einlagensatz und dem SNB-Leitzins beträgt neu 2.5 Prozentpunkte. Je grösser dieser Abstand, desto geringer der Aufwertungsdruck auf den Franken. Der heutige Entscheid verschafft der Nationalbank vor ihrer Lagebeurteilung also eher zusätzlichen Spielraum, als dass er sie unter Zugzwang setzt.

Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?

Für Saron-Hypotheken ändert sich nichts. Massgeblich bleibt der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank, und der liegt bei 0 Prozent, der Saron notiert weiterhin leicht im Minus. Wer eine Geldmarkthypothek hält, zahlt nach dem heutigen Entscheid keinen Rappen mehr.

Bei Festhypotheken lehrt das abgelaufene Quartal vor allem eines: Die Ausschläge sind erheblich. Zwischen dem Tief von Ende Juni und dem heutigen Stand liegen fast 30 Basispunkte. Auf ein Volumen von 800'000 Franken gerechnet entspricht das einer Differenz von gut 2'200 Franken jährlicher Zinslast bei einer neuen zehnjährigen Festhypothek. Und wer die Schwächephase Ende August für den Abschluss genutzt hat, ist fast 20 Basispunkte günstiger gefahren als heute. Solche Fenster öffnen und schliessen sich innert Tagen, und wann das nächste kommt, entscheiden weniger die Notenbanken als die Energiepreise und die US-Kapitalmarktzinsen, die den Takt für die CHF-Swapkurve vorgeben. Wer abschlussbereit ist, mit eingeholten Offerten und geklärter Strategie, kann solche Phasen nutzen. Umso wichtiger bleibt der Vergleich mehrerer Anbieter, denn die Marge zwischen Swapsatz und offeriertem Zins unterscheidet sich von Institut zu Institut erheblich.

Ausblick: Acht Tage, drei Notenbanken

Der September bleibt der dichteste Notenbankmonat des Jahres. Am 15. und 16. September tagt die US-Notenbank. Ihr Zielband liegt bei 3.50 bis 3.75 Prozent, und nach dem überraschend starken Arbeitsmarktbericht für August gilt eine Zinserhöhung als realistisches Szenario. Am 18. September folgt die Schweizerische Nationalbank mit ihrer Lagebeurteilung. Erst danach ist das Bild für das vierte Quartal komplett. Wer eine Ablösung oder eine Neufinanzierung plant, hat gute Gründe, diese acht Tage abzuwarten, und ebenso gute Gründe, sich bis dahin Offerten einzuholen. Denn eines haben die letzten 48 Stunden gezeigt: In Notenbankwochen können sich die Konditionen innert Tagen spürbar verschieben.

Quellen


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