Immobilien
Wohntraumstudie 2026: Röstigraben beim Weg ins Eigenheim
Die neue Wohntraumstudie von MoneyPark und Helvetia zeigt eine Zweiteilung zwischen Deutsch- und Westschweiz. Die Eigenmietwert-Reform wirkt bereits.
hypothek.ch
15.10.2026
5 min
Zwei Regionen, zwei Zugänge zum Eigenheim
Der Wunsch nach einem Einfamilienhaus auf dem Land ist in der Schweiz ungebrochen. Das zeigt die aktuelle Wohntraumstudie 2026 von MoneyPark und Helvetia, für die zwischen Januar und Februar 2026 insgesamt 1'000 Personen repräsentativ befragt wurden. Von den Teilnehmenden sind 45 Prozent Eigentümer und 55 Prozent Mieter, 75 Prozent stammen aus der Deutschschweiz und 25 Prozent aus der Westschweiz. Die Studie bestätigt den über die letzten Jahre stabilen Grundbefund: Der Wunsch nach Wohneigentum bleibt in der Bevölkerung unverändert hoch.
Bemerkenswert ist die regionale Zweiteilung. In der Westschweiz ist der Wunsch nach Eigentum ausgeprägter als in der Deutschschweiz. Gleichzeitig unterscheiden sich die Strategien zur Umsetzung. In der Deutschschweiz dominiert der Weg über das individuelle Sparen und über das solide Ansparen des erforderlichen Eigenkapitals. Die Westschweiz dagegen zeigt eine stärkere Erwartungshaltung gegenüber politischen Massnahmen, etwa Steueranreize, Erleichterungen bei den Eigenmitteln oder gezielte Förderprogramme. Dieser Röstigraben ist nicht neu, erscheint aber in der aktuellen Erhebung deutlich wie selten.
Was den Westschweizer Wunsch antreibt
Mehrere Gründe erklären die stärkere Nachfrage nach Wohneigentum in der Romandie. Die Wohneigentumsquote liegt in Kantonen wie Waadt, Genf und Neuenburg traditionell tiefer als etwa im Wallis oder in Innerschweizer Kantonen. Entsprechend wirkt der soziale Vergleich mit Nachbarländern wie Frankreich, in denen die Quote deutlich höher liegt, in der Westschweiz oft stärker. Der Mangel an bezahlbarem Wohneigentum rund um Genf und Lausanne verstärkt den Wunsch nach politischen Anreizen zusätzlich.
Hinzu kommen Mietkosten, die in den letzten Jahren im urbanen Teil der Romandie stark gestiegen sind. Für viele junge Haushalte in Lausanne oder Genf wird ein Kauf trotz hoher Preise rechnerisch attraktiver, weil die effektive monatliche Belastung bei einer Hypothek nahe am aktuellen Mietpreis liegt. Das verschiebt die Frage nach dem Einstieg stärker in Richtung Finanzierbarkeit, und weniger in Richtung Lebensstilentscheidung.
Eigenmietwert-Abschaffung wirkt bereits
Die geplante Abschaffung des Eigenmietwerts ab 2029 ist ein zweiter Schwerpunkt der Studie. Die Reform ändert die steuerliche Logik des Wohneigentums grundlegend. Statt den Eigenmietwert als fiktives Einkommen zu versteuern, fallen auch die Abzüge für Hypothekarzinsen und Unterhaltskosten weitgehend weg. Für hoch verschuldete Eigentümer, die den Zinsabzug intensiv nutzen, bedeutet das eine Verschlechterung. Für amortisierende und gut finanzierte Eigentümer bringt die Reform eine Vereinfachung und oftmals eine spürbare Entlastung.
Die Studie zeigt, dass sich dies im Verhalten der Befragten bereits abzeichnet. Die Bereitschaft zur freiwilligen Amortisation hat gegenüber den Vorjahren abgenommen. Ein ursprünglich erwarteter Renovationsboom im Vorfeld der Abschaffung ist bisher weitgehend ausgeblieben, einzelne Handwerksbetriebe berichten jedoch von zusätzlichen Aufträgen. Die Hypothekarbanken rechnen damit, dass sich der Trend zur Beibehaltung oder sogar Erhöhung der Hypothekarschuld in den kommenden Jahren verstärken wird.
Was das für Finanzierungsentscheidungen bedeutet
Für Käufer in der Finanzierungsphase hat die Reform zwei konkrete Konsequenzen. Erstens relativiert sie den Vorteil der indirekten Amortisation über die Säule 3a. Solange der Zinsabzug Bestand hat, lohnt sich die Vermeidung einer direkten Rückzahlung, weil die Steuerersparnis die höheren Zinskosten teilweise kompensiert. Mit der Abschaffung des Eigenmietwerts fällt dieser Effekt weg, und die direkte Amortisation gewinnt wieder an Attraktivität. Zweitens verändert sich die Logik beim Einsatz von Pensionskassengeldern. Wer Eigenkapital stärker aus eigenem Vermögen aufbringt, erhält tiefere Hypotheken, verliert nach der Reform aber keinen bedeutenden Steuerabzug mehr.
Für Eigentümer mit laufender Hypothek stellt sich eine andere Frage: Lohnt es sich, bereits heute vorsorglich zu amortisieren? Die Antwort hängt vom aktuellen Zinssatz, vom Grenzsteuersatz und vom Lebensalter ab. Hoch versteuernde Erwerbstätige profitieren bis 2029 noch von den Abzügen und sollten in der Regel die aktuelle Finanzierung beibehalten. Haushalte in der Pensionierungsphase mit tieferem Grenzsteuersatz haben hingegen deutlich weniger Vorteile und können über eine schrittweise Reduktion der Hypothek nachdenken.
Was die Studie für den Markt bedeutet
Für die Hypothekarbanken dürfte der Trend zu höheren und länger laufenden Hypotheken anhalten. Die Studienergebnisse widersprechen der Erwartung, dass die Eigenmietwert-Reform zu einer Welle der Entschuldung führen würde. Stattdessen deutet vieles darauf hin, dass Eigentümer das steuerlich günstige Fenster bis 2029 nutzen und ihre Hypothek bewusst belassen. Nach der Reform könnte eine Phase folgen, in der mehr direkte Amortisationen vorgenommen werden, dann aber zu einem Zeitpunkt, in dem bereits viele Haushalte in Richtung Pensionierung geplant haben.
Für den Immobilienmarkt insgesamt verstärkt die Studie die Erwartung einer regional unterschiedlichen Dynamik. Die Westschweiz dürfte die Diskussion um Wohneigentumspolitik auf Bundes- und Kantonsebene stärker treiben, während die Deutschschweiz die Lücke zum Wunsch nach Eigentum weiterhin individuell über das Sparen und die Vorsorge zu schliessen versucht. Für Hypothekarnehmer bleibt wichtig, die eigene Situation unabhängig von Durchschnittswerten zu betrachten. Die Faktoren Einkommen, Alter, Steuerbelastung und persönliche Zielsetzung bestimmen den optimalen Finanzierungsmix stärker als die generelle Marktstimmung.
Fazit der Studie und Einordnung
Die Wohntraumstudie 2026 bestätigt einen anhaltend hohen Wunsch nach Wohneigentum und zeigt gleichzeitig, wie unterschiedlich die Schweizer Regionen damit umgehen. Die Deutschschweiz setzt auf eigenes Sparen, die Westschweiz auf politische Rahmenbedingungen. Die Eigenmietwert-Abschaffung ab 2029 wirkt bereits heute auf das Amortisationsverhalten, aber nicht in der Breite, die erwartet wurde. Für die Hypothekarbranche heisst das: Weniger Entschuldung, mehr strategische Finanzplanung und ein stärkerer Fokus auf individuelle Beratung. Für Kaufinteressierte lohnt sich der Blick auf die eigenen Zahlen, die Steuerbelastung und den Zeithorizont. Eine einheitliche Antwort gibt es nicht, und das ist eine der zentralen Botschaften dieser Studie.
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