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Fed hält die Zinsen zum fünften Mal, drei Abweichler fordern mehr: Was der Entscheid vom 29. Juli für die Schweiz bedeutet

Die Fed belässt den Leitzins am 29. Juli 2026 bei 3.50 bis 3.75 Prozent, drei Mitglieder stimmen für eine Erhöhung. Was der gespaltene Entscheid und die Raiffeisen-Prognose für Schweizer Hypotheken bedeuten.

hypothek.ch

30.07.2026

5 min

Die US-Notenbank belässt den Leitzins erneut bei 3.50 bis 3.75 Prozent, doch erstmals stimmen drei Mitglieder offen dagegen. Warum die CHF-Swapkurve trotz falkischer Töne aus Washington nachgibt und weshalb Raiffeisen für Schweizer Hypotheken wenig Bewegung erwartet.

Die US-Notenbank hat den Leitzins am Mittwoch zum fünften Mal in Folge in der Spanne von 3.50 bis 3.75 Prozent belassen. Der anhaltende Konflikt im Nahen Osten trübt den Inflationsausblick weiterhin ein. Die eigentliche Nachricht steckt diesmal nicht im Communiqué, sondern im Abstimmungsergebnis. Der Entscheid fiel mit neun zu drei Stimmen, wobei die Präsidentinnen und Präsidenten der Distriktnotenbanken von Cleveland, Minneapolis und Dallas, Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan, für eine Erhöhung um einen Viertelprozentpunkt votierten. Nach dem einstimmigen Juni-Entscheid, über den wir vor sechs Wochen berichteten, bröckelt die Geschlossenheit.

Ein Chef, der schweigt, und ein Komitee, das streitet

Notenbankchef Kevin Warsh bleibt seiner Linie treu. Das Statement fiel erneut äusserst knapp aus und war beinahe identisch mit jenem vom Juni. Hinweise auf den künftigen Zinspfad fehlten vollständig, obwohl die Märkte mehrheitlich mit einer Erhöhung im September rechnen. Warsh argumentiert, die Fed solle weniger darüber sprechen, was sie tun werde, und stattdessen die Bedingungen betonen, unter denen sie handeln würde. Das Statement vom Mittwoch lieferte allerdings weder das eine noch das andere.

In der Sache gab sich Warsh gleichwohl falkisch. Er betonte, es gebe kein weiches Inflationsziel, und die Notenbank werde nicht zögern, die Teuerung zu bekämpfen, sollten die Preise weiter steigen. Zugleich verwies er darauf, dass die Anspannung an den Finanzmärkten der Fed einen Teil der Arbeit abnehme. Die Unsicherheit vor dem Entscheid war entsprechend hoch: Die Terminmärkte hatten immerhin eine Wahrscheinlichkeit von rund einem Drittel für eine Überraschungserhöhung eingepreist.

Die Märkte reagieren gespalten

Die Reaktion an der Wall Street fiel ungnädig aus. Der Dow Jones verlor zeitweise über 840 Punkte oder 1.6 Prozent. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg um 5 Basispunkte auf 4.657 Prozent, die dreissigjährige kletterte um mehr als 9 Basispunkte über die Marke von 5.1 Prozent, während die zweijährige nachgab. Der Markt liest den Entscheid also so: kurzfristig keine Erhöhung, langfristig dafür umso mehr Inflationsrisiko. Beim Blick auf den September wurden die Wetten derweil neu justiert. Die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen im September stieg gemäss dem FedWatch-Tool der CME auf knapp 42 Prozent, nach 24 Prozent am Vortag. Eine Erhöhung bleibt das wahrscheinlichere Szenario, aber sie ist keine ausgemachte Sache mehr.

Und die Schweiz? Das Pendel schwingt zurück

Wer unsere Notenbankserie verfolgt, kennt das Muster inzwischen. Im Juni notierte der 10-Jahres-CHF-Swap dank der Friedenshoffnung am Golf bei 0.575 Prozent, wir nannten die Entlastung damals geliehen. Bis zum EZB-Entscheid vergangene Woche holte die Eskalation den Aufschlag zurück, der Satz stieg auf 0.7725 Prozent. Heute steht er bei 0.6925 Prozent, rund 8 Basispunkte tiefer als vor einer Woche. Der Grund liegt wieder am Ölmarkt: Die Rohölpreise gaben zum Auftakt der Fed-Woche nach, liegen im Juli aber immer noch mehr als 20 Prozent im Plus. Die Schweizer Kapitalmarktzinsen bleiben ein Spielball zwischen Golf und Notenbanken, und das Pendel schwingt derzeit im Wochenrhythmus.

Die Einschätzung der Banken: Wenig Bewegung erwartet

Bemerkenswert gelassen klingt die frisch publizierte Zinsprognose von Raiffeisen. Die Bank hält fest, dass der Angebotsausfall bei der Energie deutlich geringer ausfällt als ursprünglich befürchtet und sich die unterliegende Preisdynamik in der Schweiz bislang kaum verändert zeigt. Die SNB sorge sich entsprechend nicht um die Inflation, ihr Hauptrisiko sehe sie bei der globalen Nachfrage und beim Wechselkurs. Der Franken habe mit der Ausweitung der erwarteten Zinsdifferenzen zur Eurozone und den USA sogar etwas an Wert verloren, akuter Handlungsbedarf am Devisenmarkt bestehe derzeit nicht mehr. Das Fazit der Raiffeisen-Ökonomen: Die Nationalbank sieht sich mit ihrem Nullzins gut positioniert, was für unveränderte Saron-Konditionen und wenig Bewegung bei den langfristigen Zinsen spricht.

Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?

Für Saron-Hypotheken gilt das Gewohnte: Massgeblich ist die SNB, ihr Leitzins liegt bei 0 Prozent, der Saron notiert weiter leicht im Minus. Der Streit in Washington ändert daran nichts.

Bei Festhypotheken hat sich das Fenster gegenüber der Vorwoche wieder leicht geöffnet. Der Rückgang des 10-Jahres-Swaps um rund 8 Basispunkte entlastet eine neue zehnjährige Festhypothek über 800'000 Franken um etwa 640 Franken pro Jahr, verglichen mit den Konditionen von vergangener Woche. Wichtiger als der Versuch, den perfekten Abschlusstag zu erwischen, bleibt allerdings die Erkenntnis der letzten Wochen: Solange der Konflikt am Golf schwelt und die Fed ohne Wegweiser navigiert, können sich die Sätze innert Tagen um 10 bis 20 Basispunkte bewegen, in beide Richtungen. Wer eine Ablösung plant, verschafft sich mit parallel eingeholten Offerten mehrerer Anbieter die Flexibilität, ein günstiges Zeitfenster auch tatsächlich nutzen zu können.

Ausblick: Jackson Hole als nächster Fixpunkt

Die Sommerpause der Notenbanken ist kurz. Ende August spricht Warsh am Symposium von Jackson Hole, sein Auftritt wird mit Blick auf die künftige Kommunikation der Fed genau verfolgt. Der nächste Zinsentscheid folgt am 16. September. Kurz darauf sind auch die EZB und die SNB wieder am Zug. Bis dahin gilt, was diese Wochen gelehrt haben: Die Richtung der Kapitalmarktzinsen entscheidet sich derzeit weniger in den Sitzungszimmern der Notenbanken als am Ölmarkt.

Quellen:

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