Zinsen
Die Fed erhöht die Zinsen erstmals seit drei Jahren: Was der Entscheid vom 16. September für die Schweiz bedeutet
Die US-Notenbank erhöht den Leitzins auf 3.75 bis 4.00 Prozent und stellt einen weiteren Schritt in Aussicht. Warum die Wende in Washington kam, wie die Märkte reagieren und was das für Saron- und Festhypotheken in der Schweiz heisst.
hypothek.ch
18.09.2026
5 min
Die US-Notenbank Fed erhöht den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3.75 bis 4.00 Prozent. Es ist die erste Zinserhöhung seit Juli 2023 und die erste Straffung unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Noch im Juli bröckelte die Einigkeit im Offenmarktkomitee, jetzt fiel der Entscheid einstimmig. Und die Notenbank macht klar: Es dürfte nicht der letzte Schritt gewesen sein. Was das für die Kapitalmärkte und für Schweizer Hypotheken bedeutet.
Die Falken haben sich durchgesetzt
Wer den Fed-Entscheid vom Juli verfolgt hat, konnte die Wende kommen sehen. Damals beliess das Offenmarktkomitee (FOMC) den Leitzins zwar bei 3.50 bis 3.75 Prozent, doch drei regionale Fed-Präsidenten stimmten gegen die Mehrheit und forderten bereits eine Erhöhung. So viele Gegenstimmen in eine Richtung hatte es seit Jahren nicht mehr gegeben.
Zwei Monate später ist aus der Minderheit die Mehrheit geworden. Das FOMC beschloss mit 12 zu 0 Stimmen, die Zielspanne für die Federal Funds Rate um einen Viertelprozentpunkt auf 3.75 bis 4.00 Prozent anzuheben. Den Ausschlag gaben die jüngsten Teuerungszahlen: Die US-Konsumentenpreise stiegen im August um 0.4 Prozent gegenüber dem Vormonat, die Jahresteuerung lag bei 3.4 Prozent und damit weit über dem Zielwert von 2 Prozent.
Auffällig ist die Sprache des Communiqués. Es ist noch kürzer und direkter geraten als die bisherigen Mitteilungen unter Warsh. Die Wirtschaft wachse solide, die Investitionstätigkeit sei robust, der Arbeitsmarkt stabil, doch die Inflation bleibe erhöht. Der Zinsschritt solle eine schnellere Rückkehr zum 2-Prozent-Ziel unterstützen. Und dann folgt ein Satz, der wie ein Versprechen klingt: Das Komitee werde für Preisstabilität sorgen.
Der Zinsgipfel ist noch nicht erreicht
Zusammen mit dem Entscheid veröffentlichte die Fed ihre vierteljährlichen Projektionen. Der sogenannte Dot Plot zeigt, wohin die Reise gehen dürfte: 16 der 18 Mitglieder, die eine Projektion abgaben, rechnen mit mindestens einer weiteren Erhöhung in diesem Jahr, vier davon halten sogar zwei zusätzliche Schritte für möglich. Warsh selbst verzichtet seit seinem Amtsantritt darauf, eine eigene Prognose einzureichen. Der Median der Projektionen liegt für Ende 2026 bei rund 4.1 Prozent. Für die Folgejahre sind dagegen keine weiteren Erhöhungen vorgesehen, ab 2028 deuten die Projektionen wieder auf Senkungen hin.
Bemerkenswert ist auch das politische Signal. US-Präsident Donald Trump fordert seit Monaten öffentlich tiefere Zinsen. Die Financial Times wertete den Entscheid als Warshs bislang deutlichstes Zeichen, dass er bereit ist, sich gegen den Präsidenten zu stellen, keine vier Monate nach Amtsantritt. Trump reagierte prompt und forderte auf Truth Social Zinsen von 1 Prozent oder tiefer. Die Märkte werteten die Unabhängigkeitsdemonstration positiv.
Die Märkte hatten den Schritt eingepreist
Überrascht wurde an der Wall Street kaum jemand. Die Terminmärkte hatten die Erhöhung zuletzt mit hoher Wahrscheinlichkeit eingepreist, der Anleihemarkt war der Fed vorausgeeilt. Entsprechend konzentrierte sich die Reaktion auf das kurze Ende der Zinskurve: Die Rendite zweijähriger Treasury Notes stieg um 7 Basispunkte auf 4.74 Prozent, während sich die Renditen zehn- und dreissigjähriger US-Staatsanleihen kaum bewegten. Genau diese langen Laufzeiten sind es, die über die globalen Kapitalmärkte auf die Schweizer Zinskurve ausstrahlen.
Deutlicher fiel die Reaktion am Devisenmarkt aus: Der Dollar erstarkte nach dem Entscheid, USD/CHF erreichte 0.8251 Franken, der Franken notierte damit in der Nähe eines 16-Monats-Tiefs zum Dollar. Am Tag danach beruhigte sich die Lage: Mit nachlassenden Ölpreisen gingen auch die Inflationssorgen zurück, die Renditen der US-Staatsanleihen gaben wieder leicht nach.
Was der Entscheid für die Schweiz bedeutet
Für Schweizer Hypothekarnehmer zählt weniger der US-Leitzins selbst als die Frage, ob die Bewegung auf die CHF-Swapkurve überschwappt. Der Befund nach dem Entscheid: Sie tut es bislang kaum. Der 10-Jahres-CHF-Swap notiert am Donnerstag bei rund 0.78 Prozent und damit leicht unter dem Niveau von knapp 0.80 Prozent, das nach dem EZB-Entscheid vom 10. September erreicht worden war. Der 5-Jahres-Swap liegt bei 0.61 Prozent, der Saron verharrt bei minus 0.04 Prozent. Die Erklärung liefert der US-Anleihemarkt selbst: Weil die langen Treasury-Renditen auf den Fed-Entscheid kaum reagierten und die Ölpreise zuletzt nachgaben, blieb der Impuls auf die langfristigen Schweizer Zinsen aus. Der Anstieg der Swapsätze, der die Festhypotheken zuletzt auf ein 18-Monats-Hoch getrieben hat, hatte sich bereits in den Wochen zuvor abgespielt.
Der Blick richtet sich nun auf Zürich und Bern: Am 24. September 2026 steht die nächste geldpolitische Lagebeurteilung der SNB an. Im Juni hatte die Nationalbank den Leitzins unverändert bei 0 Prozent belassen, und daran dürfte sich auch jetzt wenig ändern: Die Märkte sehen im Gegensatz zu anderen Zentralbanken nur ein geringes Risiko einer Zinserhöhung der SNB in diesem Jahr. Die Schweiz bleibt damit die grosse Ausnahme: Während die Fed bei 4 Prozent angekommen ist und die EZB ihren Einlagensatz im September auf 2.50 Prozent erhöht hat, verharrt der SNB-Leitzins bei null.
Was heisst das für Ihre Hypothek?
Für Saron-Hypothekarnehmer ändert sich vorerst nichts. Der Saron folgt dem SNB-Leitzins, und solange dieser bei 0 Prozent bleibt, bleiben Saron-Hypotheken die günstigste Finanzierungsform. Der Entscheid vom kommenden Donnerstag dürfte daran nichts ändern.
Bei den Festhypotheken ist das Bild differenzierter. Die Konditionen orientieren sich an den Swapsätzen, und diese haben den internationalen Zinsanstieg seit dem Sommer bereits teilweise vorweggenommen. Sollten Fed und EZB ihre Straffung fortsetzen, wovon die Projektionen ausgehen, dürfte der Druck auf die mittleren und langen Laufzeiten anhalten. Wer ohnehin eine Festhypothek abschliessen oder verlängern will, hat wenig Grund zu warten: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Konditionen in den kommenden Monaten steigen, ist grösser als die Wahrscheinlichkeit, dass sie sinken.
Quellen
- Federal Reserve: FOMC Statement vom 16. September 2026
- Federal Reserve: Economic Projections vom 16. September 2026
- Federal Reserve: Pressekonferenz von Kevin Warsh (Transkript)
- CNBC: Fed rate decision September 2026
- The Market: Das Fed wagt den ersten Schritt zu einem neuen Zinszyklus
- investrends.ch: Fed erhöht den Leitzins
- SNB: Geldpolitische Lagebeurteilung vom 18. Juni 2026
- hypothek.ch: Aktuelle Swap-Sätze
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