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Regulierung

Vollgeld und der Hypothekarmarkt: Was die MoMo-Forderungen bedeuten würden

Die Vereinigung MoMo fordert strengere Hypothekenvergabe und Pflichtamortisationen. Was ihre Vorschläge für Schweizer Eigenheimbesitzer bedeuten würden und wie realistisch eine Umsetzung ist.

hypothek.ch

11.08.2026

6 min

Nach der deutlichen Ablehnung der Vollgeld-Initiative im Juni 2018 galt das Thema in der Schweiz als politisch erledigt. Sieben Jahre später versucht die Vereinigung Monetäre Modernisierung (MoMo) einen zweiten Anlauf, diesmal jedoch nicht über eine neue Volksinitiative, sondern über direkte Vorschläge an die Bundesparlamentarier. MoMo-Präsident Ewald Kornmann hat im Sommer 2026 ein Papier verschickt, das sich in weiten Teilen mit dem Hypothekarmarkt beschäftigt. Für Eigenheimbesitzer und angehende Käufer stellt sich die Frage, was die Forderungen konkret bedeuten würden, sollten sie eines Tages Eingang in die Regulierung finden.

Woher die Debatte kommt

Die Vollgeld-Idee geht davon aus, dass Geschäftsbanken durch die Kreditvergabe neues Geld schaffen, sogenanntes Buchgeld. MoMo argumentiert, dieser Mechanismus habe wesentlich dazu beigetragen, dass die Immobilienpreise in der Schweiz über drei Jahrzehnte immer neue Höchststände erreicht haben. Der Kernsatz lautet: Je mehr Hypotheken vergeben werden, desto stärker steigen die Immobilienpreise. Umgekehrt sollen strengere Vergaberegeln und höhere Amortisationsanforderungen dazu führen, dass Bankbilanzen schrumpfen und die Preise sich stabilisieren.

Diese Kausalkette ist unter Ökonomen umstritten. Die Nationalbank, die grossen Universitätsinstitute und die Marktforschungshäuser verweisen auf strukturelle Faktoren: die anhaltend hohe Zuwanderung, die knapp bemessene Bautätigkeit, das reale Einkommenswachstum sowie das im internationalen Vergleich tiefe Zinsniveau. Das Argument gegen die MoMo-These lässt sich empirisch prüfen: Die Bilanz der UBS ist nach der Übernahme der Credit Suisse deutlich geschrumpft, ein Rückgang der Immobilienpreise blieb aber aus. Wären Bankbilanzen die zentrale Preistreiberin, hätte die Kontraktion Spuren hinterlassen müssen.

Die konkreten Forderungen im Detail

MoMo formuliert vier Stossrichtungen, die den Hypothekarmarkt direkt betreffen würden.

Konsequente Amortisation. Heute muss eine Hypothek innert 15 Jahren auf zwei Drittel des Belehnungswerts, üblicherweise über eine indirekte Amortisation in die Säule 3a, zurückgeführt werden. MoMo verlangt eine deutlich striktere Handhabung, mit klaren Pflichten für die volle Rückzahlung über die gesamte Laufzeit hinweg. Für die Praxis hiesse das: kein Aufschub durch Zusatztranchen, kein Verlassen auf steigende Immobilienwerte, keine reine Zinshypothek über Jahrzehnte.

Höhere Eigenkapitalquote. Statt der heute geltenden 20 Prozent Eigenmittel, wovon zehn Prozent zwingend nicht aus der zweiten Säule stammen dürfen, könnte eine Anhebung Richtung 25 oder gar 30 Prozent diskutiert werden. Das würde die Zahl der Erstkäufer schlagartig verringern.

Strengere Tragbarkeitsregeln inklusive Amortisation. Bei der heutigen Tragbarkeitsrechnung dürfen Zins, Nebenkosten und Amortisation zusammen nicht mehr als ein Drittel des Bruttoeinkommens ausmachen. Wird die Amortisationskomponente zwangsläufig erhöht, sinkt die maximal finanzierbare Kaufsumme spürbar.

Vorsichtigere Bewertungen. MoMo fordert eine restriktivere Anwendung der hedonischen Modelle, mit denen Banken den Verkehrswert einer Liegenschaft schätzen. Das würde die Belehnungsgrundlage nach unten drücken und die maximal möglichen Hypothekarsummen entsprechend reduzieren.

Was das für Eigenheimbesitzer heisst

Für bestehende Eigentümer sind die kurzfristigen Folgen begrenzt. Bestehende Verträge geniessen Bestandesschutz, eine Rückwirkung wäre politisch kaum durchsetzbar. Wer bereits im Eigenheim wohnt, hätte primär bei der nächsten Refinanzierung Berührungspunkte, etwa wenn die Bank plötzlich eine höhere Amortisationsrate oder eine tiefere Belehnung verlangt.

Anders sieht es bei Kaufinteressenten und jungen Familien aus. Höhere Eigenkapitalanforderungen würden die Schwelle zum Eigenheim deutlich anheben. Ein Beispiel: Bei einem Kaufpreis von CHF 1'200'000 verlangt die heutige Regelung 240'000 Franken Eigenmittel. Eine Anhebung auf 30 Prozent würde 360'000 Franken bedeuten, ein Aufschlag von 120'000 Franken. Für viele Haushalte, die bereits heute mühsam ihre Eigenkapitalbasis zusammensparen, wäre das ein K.-o.-Kriterium.

Bei der Tragbarkeit würde die stärkere Amortisationskomponente die monatliche Belastung erhöhen. Wer heute mit einer indirekten Amortisation über die Säule 3a rechnet und dadurch Steuervorteile mitnimmt, müsste umdisponieren. Für Kunden kurz vor der Pensionierung könnte die verlangte volle Rückzahlung mit dem eigenen Zeithorizont kollidieren.

Wie die MoMo-Ideen im Vergleich zur bestehenden Regulierung stehen

Die Schweiz hat mit Basel III, den FINMA-Selbstregulierungsrichtlinien und dem antizyklischen Kapitalpuffer bereits ein dichtes Regelwerk, das die Kreditvergabe im Hypothekargeschäft engmaschig kontrolliert. Die 2025 in Kraft getretene FINMA-Richtlinie 02/2025 hat die Anforderungen bei Renditeliegenschaften spürbar verschärft, ebenso die Behandlung von Zweitwohnungen. Die Frage lautet also nicht, ob der Markt reguliert ist, sondern ob die bestehenden Instrumente ausreichen.

Aus Sicht der SNB und der FINMA ist die Antwort bislang ja. Die tatsächliche Ausfallquote im Schweizer Hypothekargeschäft bewegt sich seit Jahren bei einigen wenigen Basispunkten und liegt damit weit unter dem europäischen Durchschnitt. Der Grund ist nicht zuletzt die genannte Selbstregulierung der Banken sowie die traditionelle Kreditkultur, die Käufer stärker in die Pflicht nimmt als in vielen Nachbarländern. Ein zusätzlicher Schutzring in Form der MoMo-Vorschläge würde nach dieser Lesart in erster Linie den Zugang zu Wohneigentum weiter erschweren, ohne einen konkreten Missstand zu adressieren.

Wie realistisch ist eine Umsetzung

Die politischen Aussichten sind gering. Die Vollgeld-Initiative scheiterte 2018 mit 75,7 Prozent Nein-Stimmen, das bislang deutlichste Verdikt gegen eine grundlegende Reform des Geldsystems. Der Bundesrat und die Nationalbank hatten die Initiative geschlossen abgelehnt und ihre Argumente werden seither regelmässig bestätigt. Auch aus dem Parlament kommen kaum Anzeichen, dass die Vorschläge Mehrheiten finden könnten. Der Vorstoss von Kornmann dürfte deshalb primär eine Signalwirkung entfalten und die Debatte über Bankregulierung neu befeuern.

Denkbar wären allerdings punktuelle Übernahmen einzelner Elemente. Die Idee einer strikteren Amortisation, etwa im Kontext der ohnehin anstehenden Anpassungen nach dem Wegfall des Eigenmietwerts per 2029, könnte in eine spätere FINMA-Richtlinie einfliessen. Die Diskussion um vorsichtigere Bewertungen ist ebenfalls kein Novum und wird intern in der Aufsicht seit Jahren geführt.

Was Eigenheimbesitzer jetzt tun können

Konkreter Handlungsdruck besteht nicht. Wer eine Hypothek finanziert oder verlängert, sollte die eigene Tragbarkeit ohnehin nicht am Minimum ausrichten. Ein Puffer, der auch bei strikteren Amortisationsanforderungen und moderaten Zinsschwankungen trägt, ist die beste Vorbereitung auf jede regulatorische Debatte. Wer eine Amortisation über die Säule 3a laufen lässt, sollte im Auge behalten, dass die steuerliche Wirkung durch den Wegfall des Eigenmietwerts ab 2029 neu zu beurteilen ist. Dieser Umbau wird die Karten für viele Eigenheimbesitzer neu mischen, unabhängig davon, welche Ideen aus dem Vollgeld-Umfeld künftig noch aufgegriffen werden.


Quellen:


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