Logo

Zinsen

SNB bleibt bei null, doch 2027 dürfte die Zinswende kommen: Was das für Ihre Hypothek bedeutet

Die Nationalbank belässt den Leitzins bei 0 Prozent, hebt die Inflationsprognose an und streicht die «erhöhte» Interventionsbereitschaft. Was das für Saron- und Festhypotheken heisst.

hypothek.ch

24.09.2026

5 min

Swiss National Bank

Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei 0.00 Prozent. Es ist die fünfte Zinspause in Folge. Der Entscheid war erwartet und kommt an der Oberfläche als Nicht-Ereignis daher. Aufschlussreicher ist, was die SNB an ihrer Kommunikation geändert hat. Sie hebt die Inflationsprognose über den gesamten Horizont an. Sie korrigiert die Wachstumserwartung für 2026 deutlich nach oben. Und sie verzichtet erstmals seit März auf die Formulierung einer «erhöhten» Bereitschaft, am Devisenmarkt einzugreifen.

Der Entscheid im Detail

Die Teuerung ist seit der letzten Lagebeurteilung von 0.6 Prozent im Mai auf 0.8 Prozent im August gestiegen. Treiber sind in erster Linie teurere Erdölprodukte. Die Warenteuerung lag im August erstmals seit Mai 2024 wieder im positiven Bereich. Mittelfristig habe der Inflationsdruck nur leicht zugenommen, schreibt die SNB.

Die neue bedingte Inflationsprognose liegt spürbar höher als im Juni. Für 2026 rechnet die Nationalbank mit durchschnittlich 0.7 Prozent, für 2027 und 2028 mit je 0.8 Prozent. Im Juni waren es noch 0.6, 0.6 und 0.7 Prozent. Kurzfristig erwartet die SNB einen Anstieg auf 1.2 Prozent im vierten Quartal 2026 und im ersten Quartal 2027. Danach dürfte die Teuerung mit nachlassenden Energiepreisen wieder sinken und gegen Ende des Prognosehorizonts leicht anziehen. Die mittelfristig höhere Prognose begründet die SNB unter anderem mit der Abschwächung des Frankens. Die Prognose bleibt über den gesamten Zeitraum im Zielband von 0 bis 2 Prozent.

Deutlich verändert hat sich das Konjunkturbild. Das BIP wuchs im zweiten Quartal ausserordentlich stark. Die SNB führt das zu einem Teil auf die chemisch-pharmazeutische Industrie zurück, bezeichnet aber auch das zugrundeliegende Wachstum als solide und breit abgestützt. Für 2026 erwartet sie neu ein Wachstum zwischen 1.5 und 2 Prozent. Im Juni lag die Prognose noch bei rund 1 Prozent. Für 2027 bleibt sie unverändert bei rund 1.5 Prozent.

Das stille Signal am Devisenmarkt

Die wichtigste Änderung steht in einem einzigen Satz. Seit März hatte die SNB von einer «erhöhten Bereitschaft» gesprochen, am Devisenmarkt zu intervenieren. Davor hiess es jeweils, sie sei bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv. Heute ist die Nationalbank nur noch «bei Bedarf bereit», am Devisenmarkt aktiv zu sein, um angemessene monetäre Bedingungen zu gewährleisten. Der Verweis auf eine drohende übermässige Aufwertung des Frankens fehlt.

Damit kehrt die SNB zur Sprache vor der Nahost-Eskalation zurück. Der Grund liegt auf der Hand. Der Franken hat sich abgeschwächt, und die SNB nennt diese Abschwächung selbst als Stütze für die Konjunktur und als Mitgrund für die höhere Inflationsprognose. Eine Notenbank, die vor einem zu starken Franken warnt, erhöht keine Zinsen. Eine Notenbank, die diese Warnung zurücknimmt, schafft sich Spielraum.

Allein unter Zinserhöhern

Die SNB hält nun als einzige grosse Notenbank am Nullzins fest. Sie hält selbst fest, dass die Leitzinsen in der Eurozone und in den USA angehoben wurden. Die EZB hat den Einlagensatz am 10. September auf 2.50 Prozent erhöht, die Fed ihr Zielband am 16. September auf 3.75 bis 4.00 Prozent. Die Zinsdifferenz zum Ausland wird damit grösser. Das nimmt Druck vom Franken und stützt die Linie der SNB.

Was Ökonomen erwarten

Beim Leitzins selbst waren sich die Ökonomen im Vorfeld einig. Beim weiteren Pfad gehen die Meinungen jedoch auseinander. Laut UBS haben die Märkte ihre Erwartungen deutlich angehoben: Ende August waren bis Juni 2027 rund 25 Basispunkte Zinserhöhung eingepreist, Mitte September bereits rund 60 Basispunkte. UBS rechnet mit dem ersten Zinsschritt im Juni 2027, BAK Economics bereits im Dezember 2026.

Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile erwartet dieses Jahr keine Zinserhöhung mehr, sieht aber ein Zeitfenster für die Normalisierung der Geldpolitik. Ähnlich argumentiert die Zürcher Kantonalbank. Sie geht davon aus, dass der Leitzins Ende 2026 bei 0 Prozent liegt, hält darüber hinaus aber ein Fenster für höhere Zinsen für möglich.

Die heutigen Signale passen zu dieser Lesart. Eine höhere Inflationsprognose unter der Annahme eines Leitzinses von null, ein kräftigeres Wachstum und eine entschärfte Devisenmarkt-Formulierung sprechen eher für den nächsten Schritt nach oben als nach unten. Das Thema Negativzinsen ist vom Tisch.

Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?

Für variabel Finanzierte ändert sich vorerst nichts. Der Saron stand heute Morgen bei minus 0.04 Prozent, die günstigste Saron-Hypothek im Vergleich von hypothek.ch bei 0.90 Prozent. Solange der Leitzins bei null bleibt, bleibt auch die Saron-Hypothek günstig. Die Frage ist allerdings nicht mehr, ob die Zinsen steigen, sondern wann. Ein erster Schritt um 25 Basispunkte würde bei einer Saron-Hypothek von 800'000 Franken die jährliche Zinslast um rund 2'000 Franken erhöhen.

Am langen Ende ist ein Teil der Normalisierung bereits eingepreist. Der fünfjährige CHF-Swap lag heute Morgen bei 0.6875 Prozent, der zehnjährige bei 0.8075 Prozent und der fünfzehnjährige bei 0.8950 Prozent. Die günstigste zehnjährige Festhypothek im Vergleich kostete 1.70 Prozent. Festhypotheken haben sich in den vergangenen Wochen bereits verteuert, getrieben von höheren Zinsen im Ausland und steigenden Zinserwartungen im Inland. Wer eine Ablösung in den kommenden zwölf bis achtzehn Monaten plant, sollte die Entwicklung der Swapkurve deshalb genau verfolgen. Ein Vorabschluss bietet Sicherheit, setzt aber voraus, dass man einen allfälligen Aufschlag in Kauf nimmt.

Fazit

Die SNB hält still, verlässt aber sichtbar den Krisenmodus. Die Warnung vor einem zu starken Franken ist verschwunden, die Inflationsprognose steigt, das Wachstum überrascht positiv. Der Nullzins bleibt vorerst bestehen, doch sein Ablaufdatum rückt näher. Für Saron-Schuldner bleibt das Umfeld aktuell noch attraktiv. Das Risiko schwebt aber mit, dass man mit einer Saron Hypothek im Verlauf von 2027 mehr für die Hypothek bezahlen muss. Dieses Risiko muss man derzeit aktiv in Kauf nehmen. Für alle, die sich langfristig binden- und absichern wollen, hat der Markt die Zinswende bereits zu einem Teil vorweggenommen. Noch kann es aber attraktiv sein, die Hypothek mittels einer Festhypothek zu fixieren. Die nächste Lagebeurteilung findet am 10. Dezember 2026 statt.

Quellen

Das könnte Sie auch interessieren

Historische Gebäude entlang eines Flusses in der Schweiz vor Bergkulisse, symbolisiert langfristige Festhypotheken im Schweizer Immobilienmarkt

Zinsen

Festhypotheken auf 18-Monats-Hoch: Warum die Zinsen trotz SNB-Nullkurs steigen

Die langfristigen Hypothekarzinsen in der Schweiz sind auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Das ist bemerkenswert, weil die Nationalbank ihren Leitzins seit dem Frühjahr auf 0 Prozent belässt. Wer glaubte, damit sei auch die Kurve der Festhypotheken gedeckelt, wird gerade eines Besseren belehrt.

16.09.2026

4 min

Cookies & Datenschutz

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien zu Statistik- und Analysezwecken, um unsere Website laufend zu verbessern. Notwendige Cookies sind für den Betrieb der Website erforderlich. Nicht notwendige Cookies können Sie jederzeit ablehnen. Datenschutzerklärung