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Rechtliche Fragen

Lombardkredit statt Hypothek: Wann Wertschriften belehnen die bessere Wahl sein kann

Ein Lombardkredit verschafft Anlegern Liquidität, ohne Wertschriften verkaufen zu müssen. Schneller und flexibler als eine Hypothek, doch mit eigenen Risiken.

hypothek.ch

22.05.2026

6 min

Wie ein Lombardkredit in der Schweiz funktioniert

Der Lombardkredit ist ein Bankdarlehen, das durch verpfändete Wertschriften abgesichert ist. Anleger hinterlegen Aktien, Obligationen, Fondsanteile oder strukturierte Produkte in einem Depot und erhalten dafür eine Kreditlinie, über die sie flexibel verfügen können. Im Gegensatz zur Hypothek wird kein Grundbucheintrag erstellt, es gibt keinen Schuldbrief und auch keine aufwendige Bonitätsprüfung wie bei einer klassischen Konsumfinanzierung. Die Bank stützt sich auf die jederzeit verwertbaren Sicherheiten, der Kreditrahmen kann innert weniger Tage stehen.

Die Kreditlinie ist meist als Rahmenkredit ausgestaltet. Bezogen wird, was benötigt wird, Zinsen fallen nur auf den ausgenutzten Betrag an. Tilgungspläne kennt der Lombardkredit in der Regel nicht, die Rückführung erfolgt nach Absprache oder am Ende der Vertragslaufzeit. Damit eignet er sich besonders für temporäre Finanzierungsbedürfnisse, etwa wenn ein Steuerbescheid kurzfristig zu begleichen ist oder eine Liegenschaft vor dem Verkauf einer anderen erworben werden soll.

Belehnungswerte: Was Banken bei welchen Anlagen akzeptieren

Nicht jede Wertschrift wird gleich hoch belehnt. Die Banken arbeiten mit individuellen Belehnungssätzen, die das Kursrisiko abbilden. Für Schweizer Staatsanleihen und erstklassige Anleihen in Franken werden häufig 80 bis 90 Prozent des Kurswerts angerechnet, für breit diversifizierte Obligationenfonds 70 bis 80 Prozent. Liquide Blue-Chip-Aktien aus dem SMI oder grossen ausländischen Indizes werden meist mit 50 bis 70 Prozent belehnt, Small Caps und Schwellenländertitel deutlich tiefer. Strukturierte Produkte, Hedgefonds oder Einzelpositionen mit hohem Klumpenrisiko erhalten oft gar keinen Belehnungswert.

Ein Depot von CHF 500'000, das je zur Hälfte aus Schweizer Blue Chips und einem Obligationenfonds besteht, ergibt damit überschlägig eine Kreditlinie von rund CHF 300'000 bis 350'000. Je breiter und liquider das Depot, desto höher fällt die nutzbare Linie aus. Wer alles auf einen Titel setzt, muss mit einem deutlich tieferen Belehnungswert rechnen, viele Institute reduzieren den Satz zudem, sobald eine Einzelposition mehr als 25 bis 30 Prozent des Depots ausmacht.

Lombardkredit oder Hypothek: Wann welche Lösung passt

Im Gespräch mit dem Hypothekarberater taucht der Lombardkredit oft als Alternative oder Ergänzung zur Festhypothek auf. Die wichtigsten Unterschiede betreffen Geschwindigkeit, Flexibilität und Kosten.

Lombardkredit: Keine Beurkundung, kein Grundbucheintrag, keine Schätzung der Liegenschaft. Die Linie steht innert Tagen und lässt sich jederzeit zurückführen. Dafür sind die Zinsen variabel und in der Regel höher als bei einer Hypothek.

Hypothek: Tiefere Zinsen, planbare Laufzeit von bis zu zehn oder fünfzehn Jahren, steuerlich attraktiv über den Eigenmietwert. Aber: aufwendigerer Abschluss, Schuldbrief und Notarkosten, eingeschränkte Flexibilität bei vorzeitiger Rückzahlung.

Wer eine langfristige Immobilienfinanzierung sucht, fährt mit einer Hypothek oder einem Mix aus Festhypothek und SARON-Hypothek günstiger. Geht es um eine kurzfristige Brücke, eine taktische Anlagechance oder die Begleichung einer einmaligen grossen Rechnung, ist der Lombardkredit oft das passendere Instrument.

Typische Einsatzgebiete für Schweizer Anleger

In der Praxis wird der Lombardkredit für sehr unterschiedliche Zwecke genutzt. Häufig dient er als Brückenfinanzierung beim Wechsel des Wohneigentums, wenn die neue Liegenschaft vor dem Verkauf der alten bezogen werden soll. Ebenso oft kommt er beim Auf- oder Umbau ins Spiel, wenn Handwerkerrechnungen zu begleichen sind, bevor die Hypothek erhöht wurde.

Selbständigerwerbende nutzen ihn, um Liquiditätsspitzen ohne Vertragsverhandlungen mit der Hausbank zu überbrücken. Bei Erbteilungen lassen sich damit Auszahlungen an Miterben realisieren, ohne dass das Wertschriftendepot liquidiert und unter Umständen ungünstige Kursgewinne realisiert werden müssen. Anleger mit höherer Risikobereitschaft setzen den Lombardkredit auch ein, um Investitionen zu hebeln, also auf Kredit weitere Wertschriften zu kaufen. Diese Strategie ist allerdings nur für erfahrene Investoren mit ausreichender Risikofähigkeit zu empfehlen.

Konditionen und Zinsen

Die Zinsen für Lombardkredite sind in der Schweiz an die kurzfristigen Geldmarktsätze gekoppelt, faktisch also an den SARON. Üblich sind Aufschläge zwischen 1.0 und 2.5 Prozentpunkten über dem Referenzsatz, abhängig von Bank, Kreditvolumen und Depotqualität. Bei einem SARON nahe null Prozent liegen die Kreditzinsen damit aktuell zwischen rund 1.5 und 3 Prozent. Steigt der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank, ziehen die Lombardzinsen unmittelbar an, ein Zinsänderungsrisiko, das bei einer Festhypothek nicht besteht.

Bearbeitungsgebühren werden bei den meisten Kantonalbanken und Grossbanken nicht erhoben, kleinere Privatbanken verlangen mitunter eine Kommitmentgebühr auf die ungenutzte Linie. Wer den Kredit nur als Reserve führt, sollte diese Position vorab klären.

Margin Call: Das zentrale Risiko verstehen

Der grösste Unterschied zur Hypothek liegt im Marktrisiko der Sicherheiten. Fallen die belehnten Wertschriften im Kurs, sinkt der Belehnungswert. Wenn die ausstehende Kreditschuld in die Nähe oder über diese Grenze rückt, fordert die Bank Nachschuss. Dieser Margin Call erfolgt in der Schweiz meist mit kurzer Frist, typisch sind 24 bis 72 Stunden. Wer nicht zusätzliche Sicherheiten einbringen oder den Kredit teilweise zurückführen kann, muss zwangsweise Wertschriften verkaufen lassen, oft zum schlechtesten Zeitpunkt.

Das Szenario ist nicht theoretisch. Während des Markteinbruchs im Frühjahr 2020 oder der Korrektur 2022 wurden zahlreiche Lombardkredite durch Zwangsverkäufe abgewickelt, was Anleger ihre Buchverluste realisieren liess. Wer einen Lombardkredit nutzt, sollte die Linie deutlich unterhalb des maximal möglichen Rahmens beanspruchen, eine Nutzung von höchstens 50 bis 60 Prozent der Belehnungsgrenze gilt als konservativ. Stresstest mit einem Kursrückgang von 30 bis 40 Prozent gehört zur Hausaufgabe vor Vertragsabschluss.

Steuerliche Aspekte

Die Zinsen eines privat genutzten Lombardkredits sind in der Schweiz wie andere Schuldzinsen vom steuerbaren Einkommen abziehbar, bis zur Höhe der steuerbaren Vermögenserträge zuzüglich CHF 50'000. Wer die Linie für den Erwerb von Wertschriften nutzt, kann den Schuldzinsenabzug damit oft vollständig geltend machen. Wird der Kredit für den Kauf einer Liegenschaft eingesetzt, hängt die Behandlung vom Verwendungszweck und kantonalen Regeln ab. Bei betrieblicher Nutzung gelten die Bestimmungen für Geschäftsschulden.

Wichtig: Die Schuld reduziert auch das steuerbare Vermögen, was in vermögenssteuerstarken Kantonen wie Genf, Waadt oder Basel-Stadt einen spürbaren Effekt haben kann. Eine konkrete Berechnung sollte vor Abschluss mit Steuerberater oder Treuhänder erfolgen.

Praktische Tipps vor Abschluss eines Lombardkredits

Bevor die Linie eröffnet wird, lohnt sich ein nüchterner Blick auf einige Punkte. Zunächst sollte das Depot diversifiziert genug sein, damit ein Kursrutsch einzelner Positionen die Linie nicht sofort gefährdet. Ein Stresstest mit einem Markteinbruch von mindestens 30 Prozent liefert eine ehrliche Risikoeinschätzung.

Die Belehnungsquote sollte konservativ gewählt werden. Wer die maximale Linie ausschöpft, hat keinen Puffer für Marktbewegungen. Sinnvoll ist auch, die Konditionen mehrerer Banken zu vergleichen, die Spannweite bei den Aufschlägen ist erheblich, gerade Privatbanken sind verhandlungsbereit.

Klären Sie die Konditionen für einen Margin Call vorab schriftlich, inklusive Frist, Kommunikationsweg und Definition der Auslösegrenze. Behalten Sie die Linie als taktisches Instrument, nicht als dauerhafte Finanzierungsquelle. Wer den Lombardkredit über Jahre voll nutzt, zahlt deutlich mehr Zinsen als bei einer richtig strukturierten Hypothek und trägt zusätzlich das Marktrisiko. Schliesslich gilt: Liquide Wertschriften, die als Sicherheit dienen, sollten nicht zugleich als kurzfristig benötigte Reserve eingeplant sein. Eine getrennte Liquiditätsplanung schützt vor unangenehmen Überraschungen.

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