Logo

Zinsen

SNB Zinsentscheid: Leitzins bleibt bei null, Inflationsprognose steigt

Die SNB belässt den Leitzins bei 0.00 Prozent und hält ihre Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt hoch, hebt aber die Inflationsprognose leicht an. Was der Entscheid vom 18. Juni für SARON- und Festhypotheken bedeutet, mit der Einordnung von Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile.

hypothek.ch

18.06.2026

4 min

Franken

Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei 0.00 Prozent. Erwartet, einhellig prognostiziert, an der Oberfläche ein Nicht-Ereignis. In der Reuters-Umfrage hatten alle 35 befragten Ökonomen mit diesem Schritt gerechnet, und keiner erwartet eine Zinsanhebung im laufenden Jahr. Interessant ist deshalb nicht das Was, sondern das Drumherum: Die SNB hebt ihre Inflationsprognose leicht an, hält ihre Interventionsbereitschaft am Devisenmarkt hoch und steht nun als einzige grosse Notenbank noch bei null, während Fed, EZB und die Bank of Japan die andere Richtung eingeschlagen haben.

Der Entscheid im Detail

Die Inflation stieg seit der letzten Lagebeurteilung von 0.1 Prozent im Februar auf 0.6 Prozent im Mai, hauptsächlich wegen höherer Preise für Erdölprodukte, während andere Waren und Dienstleistungen kaum zum Anstieg beitrugen. Entsprechend justiert die SNB ihre bedingte Inflationsprognose. Im Jahresdurchschnitt liegt sie neu bei 0.6 Prozent für 2026, 0.6 Prozent für 2027 und 0.7 Prozent für 2028, basierend auf der Annahme eines Leitzinses von 0 Prozent über den gesamten Prognosezeitraum. Kurzfristig dürfte die Teuerung noch leicht zunehmen, bevor sie in der ersten Jahreshälfte 2027 wieder etwas zurückgeht, da die Energiepreiseffekte mit der Zeit nachlassen. Am Wachstumsbild ändert sich nichts: rund 1 Prozent für 2026 und rund 1.5 Prozent für 2027.

Der Franken bleibt das eigentliche Thema

Die Zinsen sind das eine Instrument, der Devisenmarkt das andere, und dort liegt der Fokus. Die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, bleibt erhöht, um einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens entgegenzuwirken. Genau hier wirkt die Geldpolitik der anderen Notenbanken der SNB in die Hände. Die EZB hat vergangene Woche erstmals seit drei Jahren den Leitzins erhöht, auf 2.25 Prozent, die Bank of Japan zog auf 1 Prozent nach, den höchsten Stand seit 30 Jahren. Die SNB selbst hält in ihrer Mitteilung fest, dass die Leitzinsen in der Eurozone angehoben wurden, während sie in den USA unverändert blieben. Höhere Zinsen im Ausland vergrössern die Zinsdifferenz und nehmen Druck vom Franken. Raiffeisen-Chefökonom Fredy Hasenmaile bringt es auf den Punkt: Die gestiegenen Erwartungen für mehrere EZB-Zinserhöhungen hätten dem Euro Rückenwind verliehen, womit sich die SNB zurückhalten könne. Mit dem Leitzins bei null hält die SNB derweil das weltweit niedrigste Niveau aller grossen Währungsräume.

Warum die SNB durch den Energieschock hindurchschaut

Ein steigender Preisdruck spricht auf den ersten Blick für höhere Zinsen. Doch die SNB folgt der Lehrbuchlogik. Notenbanken schauen in der Regel durch einen vorübergehenden Energiepreisschub hindurch, weil sie das Inflationsziel mittelfristig erreichen wollen und höhere Energiekosten die Wirtschaft bremsen. Hinzu kommt ein hausgemachter Dämpfer. Wegen des tiefen Anteils der Energieausgaben im Schweizer Warenkorb und des starken Frankens fallen die Energiepreiseffekte hierzulande deutlich gedämpfter aus, sodass die Inflation nur massvoll steigt. Die SNB sorgt sich denn auch weniger um ein Ausreissen der Inflation nach oben als um eine schwächere globale Nachfrage und eine mögliche Frankenaufwertung.

Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?

Für variabel Finanzierte ist die Botschaft einfach: Es bleibt günstig. Mit dem unveränderten Leitzins bleibt auch der SARON unverändert, weshalb es bei den Konditionen für SARON-Hypotheken kaum Bewegung gibt. Am langen Ende zählt nicht die SNB, sondern die Swapkurve. Die Zinsen für langfristige Hypotheken sind zuletzt leicht gestiegen, doch ohne Aussicht auf einen kräftigen Zinserhöhungszyklus dürfte das Aufwärtspotenzial in den nächsten Monaten begrenzt bleiben. Der Impuls dafür kommt ohnehin nicht aus Bern, sondern aus Washington: Gestern hat die Fed im Punktediagramm eine Erhöhung noch in diesem Jahr signalisiert. Auf ein Volumen von 800'000 Franken gerechnet bewegt jede Veränderung um 10 Basispunkte die jährliche Zinslast um rund 800 Franken.

Bei der Laufzeitwahl bleibt es eine Frage der Risikobereitschaft. SARON-Hypotheken sind aktuell wie auch längerfristig meist günstiger als Festhypotheken, setzen aber eine ausreichende Risikofähigkeit voraus, während mehrjährige Festhypotheken vor allem dann sinnvoll sind, wenn man eine fixe Kalkulationsgrundlage bevorzugt oder mit zunehmenden Inflationsgefahren rechnet. Hasenmailes Fazit lässt wenig Interpretationsspielraum: «Die SNB sieht keinen Anpassungsbedarf bei den Zinsen.»

Fazit

Die SNB bleibt ihrer Linie treu und lässt sich vom Energieschock nicht aus der Ruhe bringen. Der Nullzins ist kein Auslaufmodell, sondern auf absehbare Zeit der Normalzustand. Die tiefen Zinsen bieten weiterhin attraktive Finanzierungskonditionen, und zusammen mit dem knappen Wohnungsangebot dürfte das Immobilienpreiswachstum eher noch etwas zulegen. Für Schweizer Eigenheimbesitzer bleibt das Umfeld komfortabel. Das Risiko für höhere Hypothekarzinsen liegt nicht im Inland, sondern in der Frage, wie lange die Entspannung am Persischen Golf hält und wie ernst es die Fed mit ihrer Kehrtwende meint.


Quellen:

Das könnte Sie auch interessieren

an interest rate chart

Zinsen

SWAP-Zinsmonitor Schweiz | 9. Juni 2026 Zwischen Hoffnung und neuer Eskalation

Drei Wochen nach der letzten Ausgabe dieses Monitors notiert der CHF-Swap 10Y bei 0.68 Prozent. Am 18. Mai waren es 0.77 Prozent. Der Rückgang von 9 Basispunkten klingt nach Entspannung. Er ist es nicht. Was sich in diesen drei Wochen abgespielt hat, illustriert das Grundproblem dieses Zinsumfelds: Die Märkte reagieren auf Erwartungen, nicht auf Fakten. Und Erwartungen können sich schnell verkehren.

09.06.2026

4 min

Cookies & Datenschutz

Wir verwenden Cookies und ähnliche Technologien zu Statistik- und Analysezwecken, um unsere Website laufend zu verbessern. Notwendige Cookies sind für den Betrieb der Website erforderlich. Nicht notwendige Cookies können Sie jederzeit ablehnen. Datenschutzerklärung