Zinsen
SWAP-Zinsmonitor Schweiz | 9. Juni 2026 Zwischen Hoffnung und neuer Eskalation
Drei Wochen nach der letzten Ausgabe dieses Monitors notiert der CHF-Swap 10Y bei 0.68 Prozent. Am 18. Mai waren es 0.77 Prozent. Der Rückgang von 9 Basispunkten klingt nach Entspannung. Er ist es nicht. Was sich in diesen drei Wochen abgespielt hat, illustriert das Grundproblem dieses Zinsumfelds: Die Märkte reagieren auf Erwartungen, nicht auf Fakten. Und Erwartungen können sich schnell verkehren.
hypothek.ch
09.06.2026
4 min
Die Bewegung seit dem 18. Mai
Bis Anfang Juni gaben die Swap-Sätze über mehrere Wochen nach. Der unmittelbare Treiber war der Ölpreis: Brent fiel von rund 109 Dollar Mitte Mai auf unter 93 Dollar am vergangenen Freitag, ein Rückgang von über 14 Prozent in weniger als drei Wochen. Dieser Preisrückgang spiegelte keine physische Entspannung an der Strasse von Hormus wider, sondern die Erwartung einer diplomatischen Annäherung. Seit Pfingsten signalisierten Washington und Teheran grundsätzliche Gesprächsbereitschaft, bei weiterhin offenen Kernfragen: Atomprogramm, Öffnung der Meerenge, Sanktionsfrage.
Die Märkte kauften die Hoffnung. Die Swap-Sätze fielen.
Am Wochenende feuerte Iran erneut Raketensalven auf Israel. Brent stieg in der Spitze am Montag auf 98 Dollar, schloss bei 94 Dollar. Trumps angestrebter 60-tägiger Waffenstillstand steht auf der Kippe. Der Präsident kritisierte öffentlich israelische Gegenschläge und forderte beide Seiten zur Zurückhaltung auf. Wie dieser Satz schon mehrfach in diesem Konflikt geklungen hat, ist bekannt.

Die Strasse von Hormus: weiterhin geschlossen
Der physische Zustand der Meerenge hat sich seit dem 18. Mai nicht verändert. Das US-Militär erliess am 29. Mai neue Warnungen: Handelsschiffe, die seinen Anweisungen nicht folgten, könnten als Bedrohung eingestuft werden. Zwei Tage später ordneten iranische Behörden an, dass alle Tanker eine Genehmigung der IRGC-Marine einholen müssen. Das tägliche Schiffsaufkommen durch die Meerenge, das vor dem Krieg bei rund 138 Einheiten lag, bewegt sich seither auf einem Bruchteil dieses Wertes.
Der Rückgang des Ölpreises in den letzten Wochen war ein Stimmungsphänomen. Geliefert wurde nicht mehr.
Der US-Inflationsschock sitzt tief
Die amerikanischen Konsumentenpreise stiegen im April 2026 um 3.8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, der höchste Wert seit Mai 2023. Die Kernrate lag bei 2.8 Prozent, deutlich über dem Fed-Ziel von 2 Prozent. Energiepreise legten um 17.9 Prozent zu und waren für mehr als 40 Prozent des monatlichen Anstiegs verantwortlich. Händler an den Zinsterminmärkten bewerten die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung bis Jahresende auf rund 30 Prozent. Zinssenkungen werden frühestens 2027 erwartet. Ein hawkisherer Ausblick der amerikanischen Notenbank zieht über die globalen Kapitalmarktzinsen auch die CHF-Swapkurve nach oben.
Schweizer Inflation: moderate Teuerung, keine Panik
Auch in der Schweiz zieht die Teuerung an, bleibt aber auf tiefem Niveau. Das Bundesamt für Statistik meldete am 4. Juni für Mai 2026 eine Jahresteuerung von 0.6 Prozent, identisch mit dem Vormonat April. Haupttreiber sind Erdölprodukte, die im Vorjahresvergleich um 17.7 Prozent zulegten, sowie höhere Wohnungsmieten und Hotelleriepreise. ZKB-Ökonom Gismondi fasste den Befund nüchtern zusammen: Die SNB könne eine abwartende Haltung einnehmen. Eine schnelle Zinserhöhung sei nicht zu erwarten. BAK Economics und UBS teilen diese Einschätzung.
Die SNB hält Kurs
Die Schweizerische Nationalbank belässt den Leitzins bei 0 Prozent. Der nächste Entscheid fällt am 18. Juni 2026. Eine Änderung gilt als ausgeschlossen. Der breite Bankenkonsens, vertreten durch ZKB, UBS, BEKB und Hypothekarbank Lenzburg, geht davon aus, dass der Leitzins das gesamte Jahr 2026 auf diesem Niveau verharrt. SNB-Präsident Martin Schlegel hat betont, die Notenbank sei bereit, am Devisenmarkt zu intervenieren, sollte der Franken übermässig aufwerten. Die Wechselkurskomponente bleibt eine stille Variable im Inflationsbild.
Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?
Wer heute eine zehnjährige Festhypothek abschliesst, zahlt gegenüber dem Hoch vom 18. Mai rund 8 bis 10 Basispunkte weniger. Bei einem Volumen von 800'000 Franken entspricht das einer Entlastung von rund 640 bis 800 Franken pro Jahr. Gegenüber dem Tief vom 7. Mai besteht nach wie vor ein Aufschlag von 4 bis 6 Basispunkten.
Der SARON notiert weiterhin bei minus 0.05 Prozent. Wer eine variable Finanzierung hält, spürt diese Bewegungen vorerst nicht. Anpassungen sind gemäss vielen Ökonomen frühestens 2027 zu erwarten.
Das Muster der vergangenen sechs Wochen ist eindeutig: Entspannungssignale drücken die Sätze, Eskalationen holen den Anstieg innerhalb von Tagen zurück. Die Volatilität ist strukturell, solange die geopolitische Lage ungeklärt bleibt.
Ausblick: Zwei Entscheide in neun Tagen
Morgen, am 10. Juni, publiziert das US Bureau of Labor Statistics die CPI-Daten für Mai. Angesichts anhaltend hoher Energiepreise und der erneuten Eskalation am Golf könnte die US-Inflation über 4 Prozent gestiegen sein. Sollte sich das bestätigen, dürften die heutigen 0.68 Prozent beim 10Y-Swap rasch wieder Geschichte sein.
Acht Tage später, am 18. Juni, gibt die SNB ihren Zinsentscheid bekannt. Keine Leitzinsänderung ist zu erwarten. Aber die neue bedingte Inflationsprognose der Nationalbank und ihre Kommunikation zur Frankenentwicklung werden an den Märkten genau gelesen.
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