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Zinsen

Fed hält die Zinsen, dreht aber den Ton: Was der Entscheid vom 17. Juni für die Schweiz bedeutet

Die US-Notenbank belässt den Leitzins zum vierten Mal bei 3.50 bis 3.75 Prozent, signalisiert im Punktediagramm aber eine Erhöhung noch in diesem Jahr. Warum der 10-Jahres-Swap trotzdem fällt und was das einen Tag vor dem SNB-Entscheid für Schweizer Hypotheken bedeutet.

17.06.2026

4 min

Die US-Notenbank belässt den Leitzins zum vierten Mal in Folge bei 3.50 bis 3.75 Prozent. Eine erwartete Entscheidung, einstimmig gefällt. Die eigentliche Nachricht steckt im Punktediagramm: Die Mehrheit der Währungshüter rechnet inzwischen mit einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr, nicht mit einer Senkung. Das Communiqué wurde zugleich entrümpelt und jeder Hinweis auf künftige Lockerungen gestrichen. Für die CHF-Swapkurve wäre das ein Aufwärtssignal. Dass der 10-Jahres-Swap heute trotzdem bei 0.575 Prozent notiert und damit tiefer als vor einer Woche, hat einen anderen Grund. Zwei Kräfte ziehen gegeneinander.

Ein neuer Chef setzt den Ton

Es war die erste Sitzung unter Kevin Warsh. Der von Präsident Trump nominierte und am 13. Mai bestätigte Notenbankchef leitete seine erste Sitzung und machte sofort seinen Stil deutlich. Das begleitende Statement fiel deutlich kürzer aus, strich ältere Formulierungen und verzichtete auf den bisherigen Hinweis auf mögliche Zinssenkungen. An der Medienkonferenz blieb Warsh demonstrativ wortkarg. Auf eine Frage entgegnete er, er habe dem Statement nichts hinzuzufügen, und bezeichnete seine Antwort selbst als bewusst knapp. Weniger Vorwärtskommunikation bedeutet für die Märkte mehr Unsicherheit und potenziell mehr Volatilität.

Das Punktediagramm dreht ins Restriktive

Hier liegt der Bruch zur März-Projektion. Der Median für den Leitzins per Ende 2026 stieg auf 3.8 Prozent, nach zuvor 3.4 Prozent. Das Komitee signalisiert damit, dass es mindestens eine Zinserhöhung in diesem Jahr für nötig hält. Neun der achtzehn stimmberechtigten Mitglieder erwarten eine Erhöhung noch vor Jahresende, sechs davon sogar zwei Schritte. Bemerkenswert ist eine Leerstelle: Nur 18 der 19 Mitglieder reichten überhaupt eine Prognose ein, was nahelegt, dass Warsh auf eine eigene Punktprognose verzichtet hat.

Der Grund ist die hartnäckige Teuerung. Die US-Konsumentenpreise stiegen im Mai um 4.2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Kernrate lag bei 2.9 Prozent. Die Fed hob ihre Inflationsprognose für 2026 auf 3.6 Prozent an und senkte die Wachstumserwartung leicht auf 2.2 Prozent. Treiber bleiben die Energiepreise im Gefolge des Konflikts am Persischen Golf.

Die Gegenkraft: Entspannung am Golf

Während die Fed den Ton verschärfte, kam von der geopolitischen Front Entlastung. Eine am Sonntag verkündete Einigung zwischen den USA und Iran zur Beendigung der Kampfhandlungen liess die Ölpreise sinken und drückte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Genau diese Renditen sind der Taktgeber für die globalen Kapitalmarktzinsen, an denen auch die CHF-Swapkurve hängt.

Das erklärt das scheinbare Paradox. Eine hawkishere Fed zieht die Sätze nach oben, eine Deeskalation am Golf zieht sie nach unten. In dieser Woche dominierte die zweite Kraft. Das Muster ist aus unserem Swap-Monitor bekannt: Entspannungssignale drücken die Sätze, Eskalationen holen den Anstieg innerhalb von Tagen zurück.

Die kurzfristige Reaktion an den US-Märkten zeigte derweil die andere Seite. Die Aktienindizes gaben nach, und die zweijährigen US-Staatsanleihen sprangen um 14 Basispunkte auf den höchsten Stand seit über einem Jahr.

Was bedeutet das für Hypothekarnehmer?

Direkt betroffen sind Schweizer Finanzierungen nicht. Den Takt für SARON-Hypotheken gibt die SNB vor, und deren Leitzins liegt bei 0 Prozent. Der SARON notiert weiterhin bei minus 0.04 Prozent. Wer variabel finanziert ist, spürt vom Fed-Entscheid nichts.

Am langen Ende sieht es anders aus. Wer heute eine zehnjährige Festhypothek abschliesst, profitiert vom aktuell tiefen Swap-Niveau. Auf ein Volumen von 800'000 Franken gerechnet bewegt jeder Rückgang um 10 Basispunkte die jährliche Zinslast um rund 800 Franken. Diese Entlastung ist allerdings geliehen. Sie beruht auf der Hoffnung auf Frieden am Golf, nicht auf einer nachhaltigen Zinswende. Ein restriktiverer Fed-Kurs und neue Energiepreisschübe können den Aufschlag jederzeit zurückholen.

Ausblick: Morgen entscheidet die SNB

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Die Fed verkündet ihren Entscheid traditionell am Mittwoch, einen Tag vor der Schweizerischen Nationalbank. Diese gibt ihren Zinsentscheid am 18. Juni bekannt. Eine Änderung des Nullzinses gilt als ausgeschlossen, der breite Bankenkonsens erwartet dieses Niveau für das gesamte Jahr 2026. Entscheidend wird die neue bedingte Inflationsprognose der SNB sein und ihre Kommunikation zum Franken. Wer eine Ablösung oder einen Neuabschluss plant, sollte beide Notenbankwochen aufmerksam verfolgen und Angebote breit vergleichen.


Quellen:

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