Zinsen
Die EZB erhöht die Zinsen erstmals in drei Jahren: Steigen nun die Zinsen auch in der Schweiz?
Die Europäische Zentralbank hebt die Zinsen an, die Schweiz geht einen anderen Weg. Was der Entscheid und die SNB Sitzung nächste Woche für Ihre Hypothek bedeuten.
hypothek.ch
11.06.2026
5 min
Es ist eine Wende, auf die der Markt seit Wochen gewartet hat. Am Donnerstag hat die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen zum ersten Mal seit fast drei Jahren wieder angehoben. Der für die Geldpolitik massgebliche Einlagensatz steigt um einen Viertelprozentpunkt von 2.0 auf 2.25 Prozent, die übrigen Sätze ziehen im gleichen Schritt mit. Für Eigenheimbesitzer in der Schweiz stellt sich sofort die Frage, was dieser Entscheid für die eigene Hypothek bedeutet. Die Antwort fällt nüchterner aus, als die Schlagzeilen vermuten lassen.
Was in Frankfurt beschlossen wurde
Hinter der Erhöhung steht die zurückgekehrte Inflation. Seit dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten Ende Februar sind die Energiepreise kräftig gestiegen, und mit ihnen die Teuerung im Euroraum. Lag die Jahresinflation im Januar noch bei 1.7 Prozent, erreichte sie im Mai 3.2 Prozent, den höchsten Stand seit über zwei Jahren. Besonders heikel ist, dass sich der Preisdruck längst nicht mehr auf die Energie beschränkt. Auch die Kernrate und die Dienstleistungspreise ziehen an, ein Zeichen dafür, dass sich der Schock in der Breite festsetzt. Die Notenbank sah sich deshalb zum Handeln gezwungen, um ihre Glaubwürdigkeit im Kampf gegen die Inflation zu wahren.
Unumstritten ist der Schritt nicht. Aus Mittelstand und Gewerkschaften kam prompt Kritik, die Erhöhung komme zu früh und drohe eine ohnehin schwache Konjunktur abzuwürgen. Tatsächlich steht die Notenbank vor einem klassischen Dilemma. Die Inflation ruft nach höheren Zinsen, das magere Wachstum nach tieferen. Viele Beobachter rechnen damit, dass im September ein weiterer Schritt folgen könnte, sofern sich der Energiepreisschock nicht zurückbildet. Einen Automatismus aber wollte die Notenbank ausdrücklich nicht erkennen lassen.
Warum die Schweiz auf einem anderen Pfad ist
Nun ist die Europäische Zentralbank für die Eurozone zuständig, nicht für die Schweiz. Hierzulande bestimmt die Schweizerische Nationalbank den Kurs, und ihre Ausgangslage ist eine gänzlich andere. Während die Teuerung im Euroraum auf über drei Prozent geklettert ist, bewegt sich die Schweizer Inflation nahe der Nulllinie. Die Nationalbank rechnet für das laufende Jahr mit rund einem halben Prozent. Entsprechend liegt ihr Leitzins seit dem vergangenen Sommer bei null Prozent, und an den jüngsten Lagebeurteilungen hat sie daran festgehalten.
Der Grund für diesen Gleichmut ist der Franken. In unsicheren Zeiten suchen Anleger den sicheren Hafen, und der Aufwertungsdruck auf die Schweizer Währung hat mit dem Konflikt im Nahen Osten zugenommen. Ein starker Franken verbilligt importierte Güter und dämpft so die Teuerung, gewissermassen ein eingebauter Schutz gegen den Preisschock, der den Euroraum trifft. Die grössere Sorge der Nationalbank gilt deshalb nicht der Inflation, sondern einem zu starken Franken. Statt die Zinsen zu erhöhen, hält sie sich bereit, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen.
Nächste Woche ist die Nationalbank am Zug
Den nächsten Hinweis liefert die Schweizerische Nationalbank bereits am kommenden Donnerstag. Am 18. Juni legt sie ihre vierteljährliche Lagebeurteilung vor und steht dabei vor einer Abwägung, die spiegelbildlich zu jener in Frankfurt verläuft. Auf der einen Seite drückt der höhere Ölpreis auch in der Schweiz auf die Teuerung und auf die Inflationserwartungen. Auf der anderen Seite bleiben das Wachstum verhalten und der Franken stark, was den Preisdruck von aussen dämpft.
Die Erwartungen gehen entsprechend auseinander. Ein Teil der Beobachter rechnet damit, dass die Nationalbank den Leitzins angesichts des kurzfristig höheren Preisdrucks vorerst bei null Prozent belässt. Andere halten weitere Lockerungen für denkbar, bis hin zur immer wieder diskutierten Rückkehr zu Negativzinsen, sollte sich der Franken erneut deutlich aufwerten. Paradoxerweise hilft der SNB dabei der heutige Entscheid aus Frankfurt. Je weiter die europäischen Zinsen über den schweizerischen liegen, desto geringer ist der Aufwertungsdruck auf den Franken, und desto mehr Spielraum gewinnt die Nationalbank, ihren eigenen Weg zu gehen. Für Hypothekarnehmer lohnt es sich deshalb, nicht nur nach Frankfurt, sondern in der kommenden Woche vor allem nach Zürich zu blicken.
Was das für Ihre Hypothek heisst
Für Schweizer Hypothekarnehmer ist die wichtigste Botschaft beruhigend. Der Zinsschritt in Frankfurt verteuert Ihre Hypothek nicht unmittelbar. Die Zinsen für Geldmarkthypotheken auf Basis des SARON folgen dem Leitzins der Nationalbank, und der liegt unverändert bei null. Auch die langfristigen Zinsen bleiben tief. Die Rendite zehnjähriger Bundesobligationen, ein guter Gradmesser für das Niveau der Festhypotheken, notierte zuletzt bei knapp einem halben Prozent. Von den Verhältnissen im Euroraum ist die Schweiz also weit entfernt.
Ganz abkoppeln kann sie sich allerdings nicht. Die Zinsen für Festhypotheken bilden sich am Kapitalmarkt, und dieser ist international verflochten. Steigende Renditen in Europa können die langfristigen Sätze auch hierzulande nach oben ziehen, wenn auch gedämpft. Tatsächlich haben die Sätze für Festhypotheken seit der Eskalation im Nahen Osten Ende Februar bereits leicht angezogen, während die Geldmarkthypothek im Gleichschritt mit dem Leitzins unverändert geblieben ist. Wer eine lange Laufzeit ins Auge fasst, tut deshalb gut daran, die Entwicklung zu verfolgen. Im Moment aber gilt: Sowohl die Geldmarkthypothek als auch die Festhypothek sind in der Schweiz historisch günstig zu haben. Ob die eine oder die andere besser passt, hängt weniger vom Entscheid der Europäischen Zentralbank ab als von Ihrer persönlichen Situation, Ihrem Bedürfnis nach Planungssicherheit und Ihrer Einschätzung, wohin sich die Zinsen bewegen.
Ein guter Moment, die eigene Strategie zu prüfen
Gerade Wendepunkte wie dieser sind der richtige Anlass, die eigene Finanzierung einmal nüchtern durchzurechnen. Lohnt sich die Sicherheit einer Festhypothek, oder bleibt die SARON Hypothek vorerst die günstigere Wahl? Wäre eine Aufteilung in mehrere Tranchen sinnvoll, um das Zinsänderungsrisiko zu verteilen? Und falls eine Verlängerung ansteht, zeigt der Markt vielleicht deutlich bessere Konditionen, als die eigene Hausbank von sich aus anbietet. Wer die Angebote mehrerer Geldgeber vergleicht, statt das erste Angebot der Hausbank zu nehmen, verschafft sich die nötige Grundlage für eine ruhige Entscheidung.
Fazit
Die Zinswende der Europäischen Zentralbank ist ein bemerkenswertes Signal, aber vorerst ein europäisches. Die Schweiz steht dank tiefer Inflation und eines starken Frankens auf einem anderen Pfad, und Schweizer Hypotheken bleiben günstig. Klug handelt trotzdem, wer die eigene Finanzierung jetzt prüft, statt erst zu reagieren, wenn sich die langfristigen Zinsen bewegen. Wer seine Lage kennt, trifft die ruhigeren Entscheidungen, ganz gleich, was die Notenbanken als Nächstes tun.
Das könnte Sie auch interessieren

Zinsen
SWAP-Zinsmonitor Schweiz | 9. Juni 2026 Zwischen Hoffnung und neuer Eskalation
Drei Wochen nach der letzten Ausgabe dieses Monitors notiert der CHF-Swap 10Y bei 0.68 Prozent. Am 18. Mai waren es 0.77 Prozent. Der Rückgang von 9 Basispunkten klingt nach Entspannung. Er ist es nicht. Was sich in diesen drei Wochen abgespielt hat, illustriert das Grundproblem dieses Zinsumfelds: Die Märkte reagieren auf Erwartungen, nicht auf Fakten. Und Erwartungen können sich schnell verkehren.
09.06.2026
4 min

Zinsen
SNB-Zinsentscheid vom 18. Juni 2026: Was er für Ihre Hypothek bedeutet
Am 18. Juni 2026 entscheidet die Schweizerische Nationalbank über den Leitzins. Der Markt erwartet eine Bestätigung der Nullzinspolitik, was für SARON- und Festhypotheken unterschiedliche Konsequenzen hat.
26.05.2026
4 min

Zinsen
SWAP-Zinsmonitor Schweiz | 18. Mai 2026 | Wie Iran-Krieg und US-Inflation die Swapkurve nach oben trieben
Zwischen dem 25. April und dem 18. Mai 2026 ist der CHF-Swap 10Y von 0.61% auf 0.77% gestiegen. Ein Plus von 16 Basispunkten, was einem relativen Anstieg von knapp 26% in weniger als vier Wochen entspricht. Mit spürbaren Auswirkungen auf die Festhypothekarzinsen. Was sind die Hintergründe?
18.05.2026
5 min
