Zinsen
Auswirkungen des Nahostkonflikts: Warum Inflation und Hypothekarzinsen in der Schweiz stabil bleiben
Während die internationalen Märkte aufgrund der Spannungen im Nahen Osten und steigender Energiepreise eine erhöhte Volatilität aufweisen, bleibt die Schweizer Geldpolitik weitgehend unbeeindruckt. Für Immobilienbesitzer und Finanzierungsspezialisten deutet derzeit vieles darauf hin, dass das Szenario der Nullzinspolitik als Basisszenario für die kommenden Quartale bestehen bleibt.
30.03.2026
2 min

Der Wechselkurs als Inflationsfilter
Ein wesentlicher Grund für die hiesige Preisstabilität liegt in der Funktion des Schweizer Frankens. In Phasen globaler Unsicherheit wertet die Landeswährung tendenziell auf, was die Kosten für Importgüter senkt. Da Erdölprodukte und andere Energieträger international in US-Dollar gehandelt werden, dämpft ein starker Franken den Anstieg der Energiepreise für inländische Konsumenten. Wie eine ausführliche Studie der Zürcher Kantonalbank (ZKB) zeigt, ist die Schweiz zudem aufgrund ihres spezifischen Energiemixes, mit einem hohen Anteil an Wasserkraft und Kernenergie, deutlich weniger von fossilen Brennstoffen abhängig als andere europäische Volkswirtschaften.
Zeitliche Glättung durch administrierte Preise
Ein weiterer stabilisierender Faktor ist die Struktur des Landesindex der Konsumentenpreise (LIK). Rund ein Viertel der im Warenkorb enthaltenen Güter unterliegt staatlich oder teilweise administrierten Preisen. Besonders bei den Elektrizitätstarifen, die in der Grundversorgung nur einmal jährlich angepasst werden, führt dies zu einer signifikanten Verzögerung der Preisweitergabe. Diese regulatorische Komponente verschafft der Schweizerischen Nationalbank (SNB) den nötigen Handlungsspielraum. Die Ökonomen der ZKB gehen davon aus, dass die SNB vorerst keine Zinsschritte einleiten muss, sondern die Entwicklung der Teuerung abwarten kann.
Konjunkturelle Risiken und die Weltwirtschaft
Das primäre Risiko für die Schweizer Wirtschaft geht derzeit weniger von der Binneninflation aus als vielmehr von der globalen Konjunkturentwicklung. Eine Abschwächung der Weltwirtschaft oder eine unkontrollierte Aufwertung des Frankens würden die exportorientierten Unternehmen belasten. In einem solchen Umfeld, in dem das BIP-Wachstum für 2026 auf rund 1,0 % prognostiziert wird, sind restriktive Zinsschritte unwahrscheinlich. Stattdessen dürften Devisenmarktinterventionen das primäre Instrument der SNB bleiben, um die wirtschaftliche Erholung nicht zu gefährden.
Implikationen für die Hypothekarstrategie
Die aktuelle Datenlage spricht dafür, dass der SNB-Leitzins mindestens bis Ende 2026 auf dem Niveau von 0 % verbleiben wird. Für die Finanzierungsplanung ergeben sich daraus folgende Punkte:
- SARON-Hypotheken: Diese bleiben durch die Geldpolitik der SNB am unteren Rand verankert, sofern keine unerwarteten Zweitrundeneffekte bei der Inflation auftreten.
- Festhypotheken: Hier ist aufgrund der globalen Nachrichtenlage mit einer höheren Volatilität zu rechnen, auch wenn die kurzfristigen Zinsen stabil bleiben.
- Tragbarkeit: Die Finanzinstitute halten an ihren kalkulatorischen Zinsen von 4,5 % bis 5 % fest, um Kreditnehmer gegen potenzielle langfristige Zinsschocks abzusichern.
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