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SNB-Präsident Schlegel im Juli 2026: Was die Rede für die Hypothek bedeutet

Martin Schlegel hat vor der Swiss Risk Association den geldpolitischen Kurs bekräftigt. Der Leitzins bleibt bei null, die Notenbank zeigt sich bereit zu Deviseninterventionen. Für Hypothekarnehmer verändert das die Ausgangslage weniger, als der Ton der Rede vermuten lässt.

hypothek.ch

15.07.2026

4 min

Auftritte des SNB-Präsidenten zwischen den regulären Zinsentscheiden werden am Schweizer Kapitalmarkt genau verfolgt. Am 8. Juli 2026 sprach Martin Schlegel vor der Swiss Risk Association in Zürich und lieferte damit die erste ausführliche Standortbestimmung nach dem Zinsentscheid vom 18. Juni. Der Titel klang unspektakulär, «Aktuelle Wirtschaftslage und Geldpolitik», die Inhalte waren es weitgehend auch. Trotzdem lohnt der Blick auf einzelne Passagen, denn sie zeichnen das Umfeld, in dem sich SARON- und Festhypotheken derzeit bewegen.

Der Rahmen: Erhöhte Unsicherheit, aber keine akute Wende

Schlegel begann seine Rede vor der Swiss Risk Association mit einer Bestandsaufnahme der Unsicherheit, die seit Jahren über der Weltwirtschaft liegt. Nach der Entspannung im Nahen Osten seien die Energie- und Rohstoffpreise wieder gesunken. Die Beschaffungssituation der Unternehmen bleibe leicht schwieriger als vor der Pandemie, die Konsumentenstimmung gedämpft. Beim globalen Wirtschaftswachstum rechnet die SNB mit einer vorübergehenden Verlangsamung, ohne Rezessionssignale.

Der Ton war damit nicht alarmistisch, aber auch nicht entspannt. Für den heimischen Kapitalmarkt bedeutet das, dass die Ausgangslage für Langfristzinsen intakt bleibt. Die zehnjährige Bundesobligation, wichtigster Referenzsatz für Festhypotheken, notiert seit Wochen zwischen 0,3 und 0,4 Prozent. Ein Impuls für einen deutlichen Anstieg wäre aus dem Redetext nicht ablesbar.

Inflation: Anstieg im Ausland, Ruhe im Inland

Interessanter war Schlegels Blick auf die Preisentwicklung. Die Inflation habe global wieder zugenommen, in der Schweiz falle der Anstieg deutlich geringer aus. Konkret nannte der SNB-Präsident für das laufende und die kommenden Quartale Werte zwischen 0,2 und 0,7 Prozent, alle innerhalb des Zielbands der Nationalbank von null bis zwei Prozent. Der mittelfristige Inflationsdruck bleibe praktisch unverändert.

Für Hypothekarnehmer ist das die vermutlich wichtigste Botschaft der Rede. Solange die Preisdynamik in der Schweiz kontrolliert bleibt, hat die SNB weder Anlass noch Rechtfertigung, den Leitzins wieder anzuheben. Der Juni-Wert der Landesteuerung lag bei 0,5 Prozent. Das liegt im unteren Bereich des Zielbands und weit unter den Werten, die den Zinserhöhungszyklus 2022 ausgelöst hatten. Der SARON, der die Refinanzierung der Banken abbildet, dürfte in diesem Umfeld nahe null verharren.

Kein neues Signal für den Leitzins

Klar formuliert wurde die geldpolitische Haltung: Der Leitzins bleibt bei null Prozent. Schlegel bekräftigte, dass die Geldpolitik damit expansiv wirke, weil Kredite günstig blieben und Investitionen gefördert würden. Eine baldige Zinsanhebung wurde nicht in Aussicht gestellt, eine weitere Senkung ebenso wenig. Die Rede fügt sich damit in die Kommunikationslinie ein, die die SNB seit dem Frühjahr verfolgt: warten, beobachten, und bei Bedarf über den Wechselkurs reagieren.

Genau darin liegt der eigentliche Akzent. Schlegel wiederholte, dass die Nationalbank «erhöhte Bereitschaft» zu Deviseninterventionen habe, um einer raschen und übermässigen Frankenstärkung entgegenzuwirken. Der Franken sei in unsicheren Zeiten weiterhin als sicherer Hafen gefragt, und der Aufwertungsdruck sei gestiegen. Ohne diese Massnahme würden strenger fallende Importpreise die Inflation weiter drücken und einen Zinsschritt ins Negative erzwingen. Die Marktteilnehmer werteten die Aussage denn auch als Bestätigung, dass die SNB Devisenkäufe klar der erneuten Rückkehr zu Negativzinsen vorzieht.

Konsequenzen für die Wahl zwischen SARON und Festhypothek

Auf Basis der Rede lassen sich zwei Beobachtungen für den Hypothekarmarkt festhalten. Erstens hat die SARON-Hypothek in einem Umfeld, in dem der Leitzins auf absehbare Zeit bei null bleibt, ihre günstige Position behalten. Wer heute eine SARON-Finanzierung führt, zahlt effektiv den Basissatz nahe null zuzüglich der Bankmarge. Solange die Nationalbank nicht auf negatives Terrain zurückkehrt, ist die Untergrenze der Refinanzierungskosten klar definiert.

Zweitens bleiben Festhypotheken auf tiefem Niveau attraktiv, ohne dass ein Zeitdruck erkennbar wäre. Der zehnjährige Swapsatz, der die Festhypotheken-Konditionen bestimmt, bewegt sich in einer engen Spanne. Ein Ausbruch nach oben würde eine deutlich stärkere Inflationsdynamik oder eine geldpolitische Wende voraussetzen. Beides zeichnet sich in Schlegels Rede nicht ab. Umgekehrt spricht auch wenig für einen kräftigen Rückgang, weil die zehnjährige Rendite die künftige Wirtschaftsentwicklung bereits mit einer moderaten Belebung einpreist.

Was Hypothekarnehmer im zweiten Halbjahr im Blick behalten sollten

Für die kommenden Monate lenkt die Rede den Blick auf drei Punkte. Der erste ist die Entwicklung der Energie- und Rohstoffpreise. Sollte der Nahostkonflikt erneut eskalieren oder eine neue geopolitische Belastung auftreten, würden die importierten Preise die inländische Inflation wieder erhöhen. Das könnte den Spielraum der SNB einengen.

Der zweite Punkt ist der Frankenkurs. Die Notenbank hat mit ihrer Interventionsbereitschaft ein sichtbares Instrument bereit, das sie vor einem Zinsschritt einsetzen dürfte. Für die Zinserwartungen bedeutet das ein zusätzliches Polster gegen Negativzinsen, aber auch ein Signal, dass die Nationalbank an ihrer Strategie festhält, die Zinsuntergrenze möglichst nicht wieder zu unterschreiten.

Der dritte Punkt ist der reguläre SNB-Zinsentscheid vom September 2026. Bis dahin sind mehrere Inflationswerte und ein Konjunkturbericht des Staatssekretariats für Wirtschaft zu erwarten. Erst die Kombination aus tatsächlicher Preisentwicklung, Frankenkurs und Wachstumsdynamik wird zeigen, ob die aktuelle Nullzinshaltung Bestand hat oder ob die SNB neue Akzente setzen muss. Schlegels Rede war insofern keine Vorschau auf die nächste Sitzung, sondern eine Bestätigung des aktuellen Kurses.

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